Interview mit Jugendkoordinator Volmari

Interview mit Jugendkoordinator Volmari

U19 – Team MC-Textildruck 27.12.2020

Während unser Profiteam morgen wieder ins Training startet, muss unsere Jugendabteilung weiter auf den Restart warten. Seit Anfang November haben die mehr als 400 Kinder und Jugendlichen beim Sportclub nun schon nicht mehr auf dem Platz gestanden. Wir haben mit unserem Jugendkoordinator Michael Volmari über die Situation gesprochen.

Michael, für alle die dich nicht kennen, stell dich kurz vor, wie lange bist du beim Sportclub bereits aktiv und was umfasst dein aktuelles Aufgabengebiet?

Gern, beim Sportclub Verl bin ich nun bereits seit Sommer 2009 als Jugendkoordinator tätig. Ich zeige mich sportlich verantwortlich für die gesamte Jugend des Sportclubs und seit einigen Jahren auch für die U21, welche wir organisatorisch mittlerweile zum Nachwuchs zählen. Unterstützt werde ich dabei von Verena Hollenberg im Bereich Minis bis E-Jugend, von Evelyn Holtermann im Mädchen- und Frauen-Bereich und Michael Kniepkamp kümmert sich mit viel Engagement um die dritten und vierten Mannschaften der jeweiligen Jahrgänge.

Somit kann ich mich nun gezielt auf die sportliche Leitung der mittlerweile neun überkreislich aktiven Teams von der U12 bis zur U21 kümmern. Bevor ich zum Sportclub kam, war ich überwiegend als A-Lizenz-Trainer in den Auswahlmannschaften im Kreis Gütersloh und in Paderborn tätig. Und in Paderborn beim SC liegt dann auch meine fußballerische Vergangenheit.

Vielleicht noch kurz privat, ich bin 44 Jahre, verheiratet, 2 Kinder und bereits seit mehr als 20 Jahren bei Arvato Financial Solutions tätig.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zu den Trainern des Leistungsteams, gibt es klare Zielvorgaben, überprüft Ihr diese? Wie gelingt die Kommunikation zu den Spielern?

Grundsätzlich, nichts ersetzt das persönliche Gespräch und das habe ich in der Vergangenheit auch gelebt – Meetings unter 4 Augen, regelmäßige Trainersitzungen und alles Schriftliche über Email. Aber, wir leben in besonderen Zeiten, somit sind auch in meiner Kommunikation weitere digitale Tools wie Whatsapp oder Videokonferenzen stärker in den Vordergrund gerückt, die vorher nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

Diese neuen Formate haben wir aber auch schätzen gelernt und es erleichtert die Kommunikation bei der vorherigen Mammutaufgabe ungemein, von daher freue ich mich auch wieder auf die Normalzeit, wo wir dann die Chance haben, die unterschiedlichen Kommunikationstools und -medien intelligent miteinander zu verbinden. Die Basis eines funktionierenden Vereins ist eine gute Kommunikationsstruktur, aus den jetzigen Learnings können wir hieran weiter konsequent arbeiten.

Zielvorgaben? Eine gute Frage. Hierzu gibt es viel Theoretisches und auch wir haben Leitfäden. Aber, die Stärke und Strahlkraft, welche unsere Jugendarbeit sich hart erarbeitet hat, steht und fällt mit der Individualität der Trainer und Lerninhalte - und da grenzen wir uns auch von den Nachwuchsleistungszentren ab. Jeder Trainer kann sich frei entfalten. Wichtig ist für mich, dass wir vom Leichten zum Schweren trainieren und von der kleinen Spielform hin zur großen Spielform, viele Ballkontakte für jeden einzelnen, um alle Spieler kontinuierlich zu verbessern.

Mit Zielvorgaben in Form von Tabellenständen halte ich mich zurück. Wichtig ist, dass die Teams immer frühzeitig tabellarischen Abstand nach unten bekommen. Es ist immer leichter eine Liga zu halten als aufzusteigen. Aber in den letzten 12 Jahren ist keine unserer Jugendmannschaften sportlich abgestiegen. Das möge auch so bleiben.

Die regelmäßige Kommunikation zu den Spielern geschieht fast ausschließlich über die Trainer. In meiner Funktion kommuniziere ich sicherlich mal mit Spielern und Eltern der Top-Talente in den oberen Jahrgängen, aber ich halte es immer schon so, dass ich nie mit in die Kabine komme. Das wird auch zukünftig so sein.

Im Moment ruht der Jugend- und Amateurfußball – ein guter Zeitpunkt für eine erste Zwischenbilanz deinerseits - vor allem zu den überregional aktiven Teams.

Zwischenbilanz für die laufende Saison ist noch sehr verfrüht. Die U19 zum Beispiel hat erst 4 von 24 Spielen gespielt. Aber es bleibt festzuhalten, dass wir über alle Leistungsteams hinweg einen sehr guten Start hingelegt haben. Die U21 ist mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren Tabellenführer in der Senioren-Landesliga. U19 und U17 spielen in der Westfalenliga offensichtlich um den Aufstieg in die Bundesliga mit. U15, U16 und U18 sind nach den Aufstiegen der letzten bzw. vorletzten Saison in Ihren Ligen bereits angekommen. Auch die Jahrgänge U12 bis U14 spielen einen tollen Fußball. Wenn man heute sieht, dass wir mit unseren Jungjahrgängen in den Ligen spielen, wo sich zu Beginn meiner Arbeit die ersten Mannschaften bewegt haben, kann man einfach nur zufrieden sein. Wir sind überregional eine Marke geworden, die sich etabliert hat und auch in dieser laufenden Saison in allen Jahrgängen sportlich konkurrenzfähig ist.

Welche Auswirkungen hat der sportliche Lockdown auf die Entwicklung der Spieler in den U-Mannschaften?

Der neuerliche Lockdown ist für die Entwicklung der Spieler überhaupt nicht förderlich. Im Frühjahr war die Saison ja fast gespielt, die Inhalte in den Jugendteams vermittelt und es fehlte nur die Zeit zur Festigung, gleichzeitig eigneten sich die Jugendlichen in der neuen Situation vielleicht sogar auch Verhaltensmuster an, die auch im Sport nützlich sind. Jetzt jedoch kommt der Stopp exakt in der lern- und Ausbildungsphase. Sich nur mit Individualgymnastik und Laufen in dieser Zeit fit zu halten, ersetzt kein professionelles Mannschaftstraining. Diese Inhalte sind kaum aufzuholen, Handlungsschnelligkeit mit und ohne Ball bekommen die Spieler nicht auf der Isomatte.

Ändern können wir aber ohnehin nichts und wir gucken nach vorne. Vielleicht gelingt ja ein Trainingsneustart nach Silvester. Zumindest ist kein einseitiger Wettbewerbsnachteil, es betrifft alle Vereine und alle Spieler.

In den letzten Jahren schnupperten sowohl U19 als auch U17 schon einmal am Aufstieg in die Junioren Bundesliga. Wir hatten in der letzten Ausgabe bereits Daniel Fröhlich gefragt, ist so ein Ziel illusorisch bzw. was müsste zusammenkommen, so einen Coup zu landen.

Ich sage es mal so, meine Meinung ändert sich da stetig. Sportlich gesehen sind wir als Ausbildungsverein in der B- und A-Jugend in der Westfalenliga gut aufgehoben. Aber ich bin auch Sportler, bin ehrgeizig und habe persönliche Ziele.

Um aufzusteigen müssen aber immer drei Faktoren zusammenkommen. Man benötigt eine außergewöhnlich gute Mannschaft in der Spitze und auch in der Breite. Es benötigt ein Jahr ohne weitere Ausnahmeteams in der eigenen Liga – und das passiert oftmals durch Absteiger aus den Bundesligen. Und dann benötigt man eine relativ starke und ausgeglichene Liga. Klingt unlogisch, aber blöde Niederlagen passieren und dann braucht es die Möglichkeit, dass auch der Mitkonkurrent einmal vermeintlich sichere Punkte liegen lässt.

Und dann benötigst Du auch das Quäntchen Glück, das einfach dazu gehört. Lassen wir uns überraschen was passiert.

Der DFB diskutiert gerade eine Systemänderung für den Juniorenleistungssport, schildere uns kurz, was dahintersteckt und ob dies auch Auswirkungen auf den Sportclub haben könnte.

Es geht im Grunde um eine weitgreifende Reform des DFB. Die Nachwuchsleitungszentren (NLZ) sollen zukünftig nur noch unter sich spielen und von den anderen Vereinen abgegrenzt werden. Es sollen nur noch sogenannte Leistungsvergleich-Turniere stattfinden. U19 und U17 Bundesliga würde es dann nicht mehr geben. Man möchte den Ergebnisdruck etwas aus dem Bereich der NLZ´s rausnehmen. Für uns als Ausbildungsverein hinter den NLZ´s würde es bedeuten, dass wir von diesen Vereinen gänzlich abgeschnitten würden. Es gebe keine Schnittmenge mehr zu Vereinen wie dem BVB, S04 und VFL Bochum. Mit der Reform wird auch das ganze Thema Stützpunkt, Westfalenauswahl usw. umgekrempelt. Hier weiter auszuholen, würde das Interview komplett sprengen. Nur so viel, ich bin von unserem Verband dem FLVW beratend hinzugezogen worden, um den DFB gemeinsam davon zu überzeugen, die Reformpläne nicht 1:1 umzusetzen. Ich bin eher skeptisch gegenüber dem Vorhaben, wobei ich den Aspekt, weniger Ergebnisdruck, dafür mehr Ausbildung, begrüßen würde.  Aber dann nicht nur für die NLZ´s, wenn unsere Teams in 12er Ligen mit 4 oder mehr Absteigern zur Ergebnisfokussierung gezwungen sind

Ein wenig globaler gefragt, unsere Erste spielt in der 3. Bundesliga, der Weg für den Nachwuchs ist vielleicht länger geworden. Welchen Anspruch und welche Ziele verfolgt die leistungsorientierte Jugendarbeit beim Sportclub.

Unsere Jugendarbeit war immer geprägt vom Bestreben, über unsere Jugend und die U21 Spieler für unsere 1. Mannschaft zu entwickeln. Das ist uns auch in den Regionalligazeiten stetig gelungen. Und den Anspruch haben wir erfüllt, tolle Beispiele sind Patrick Choroba oder Robin Brüseke. Oder sogar Spieler wie Basti Müller, Babis Makridis oder Jan Schöppner, die es sogar bis in die 2. Liga geschafft haben. Es ist aber auch immer schon ein Erfolg, Spieler in den semi-professionellen Bereich zu führen und sie mit ihrem Hobby zum Beispiel das Studium finanzieren zu lassen. Und betrachtet man die derzeitigen Quoten von ehemaligen Verler Jugendspielern, die in der Regionalliga bei Wiedenbrück, Lippstadt oder anderen Vereinen spielen, kann uns das schon stolz machen.

Die These, dass der Weg in die 3. Liga länger geworden ist, kann ich so nicht gänzlich unterstreichen. Sportlich gesehen trennen die beiden Ligen Welten. Aus rein sportlicher Sicht reicht es nicht ein überdurchschnittlicher 19jähriger zu sein – es braucht noch mehr. Aber wenn dies der Fall ist, ist der Weg über unsere U21 eher kürzer als länger geworden. Das liegt einfach an der Kaderstruktur der 1. Mannschaft. Diese ist etwas kleiner gehalten, aber dafür durchweg mit maximaler Qualität besetzt. Fallen dort also einmal Spieler aus, greift man immer wieder auf unsere U19 oder U21 Spieler zurück. Wo kann man sich also besser einem Profitrainer zeigen, als beim Sportclub Verl. Das ist gelebte Praxis und das wertet unsere Arbeit auf und gibt Argumente in der Verpflichtung von Talenten für die eigene Jugend.

Kommen wir vielleicht einmal, auf einzelne Spielertypen zu sprechen. Was muss ein Spieler mitbringen, um im Leistungsbereich Jugendfußball zu spielen? Gibt es so etwas, wie einen Idealtypus?

Es gibt keinen Idealtypus. Es ist ja im Fußball auch immer, positionsabhängig zu betrachten. Es gibt aber grundlegende Eigenschaften, die sind nicht diskutierbar.

Der Spieler muss gewisse Fähigkeiten mitbringen hinsichtlich Grundschnelligkeit, Technik und taktischem Verständnis, einhergehend mit einer gewissen Widerstandsfähigkeit des Körpers gegenüber den Belastungen im Leistungssport. Genauso wichtig ist aber der Wille und die Einstellung des Spielers und eine gewisse Klarheit im Kopf. Und zum Schluss muss auch das private Umfeld mitspielen und auf Juniorenleistungsfußball abgestimmt sein.

Wagen wir noch einen Blick nach vorne, welche Entwicklungsfelder siehst du auf die Jugend- und U-Teams zukommen, sollten wir uns mit der Ersten in Liga 3 etablieren? Was muss sich ändern, verbessern?

Ich wünsche mir sehr, dass wir uns in der 3. Liga etablieren. Es macht mich ja auch stolz, die Funktion bei einem Profiverein auszuüben. Und es gibt mir und meinen Trainern auch mehr Argumente für die Jugendarbeit an die Hand. Aber irgendwann sind manche Leistungs- und Qualitätssprünge nur mit Investitionen zu realisieren. Hier bin ich schon dankbar, dass der Verein in den letzten 12 Jahre konstant ein vernünftiges Budget für die Jugend zur Verfügung gestellt hat.

Verbessern? Wir müssen die Arbeit auf noch mehr Schultern verteilen und insgesamt eine bessere Kommunikationsstruktur schaffen. Aber an beiden Themen wird und wurde bereits gearbeitet. Daher bin ich positiv für die Zukunft gestimmt.

Und zum Schluss, Sommer nächsten Jahres, wann sagst Du (abgesehen von der Corona-Lage), es war eine gute Saison für die Teams in deiner Verantwortung?

Es wäre ein gutes Jahr, wenn kein Team aus unserem Verein abgestiegen ist und niemand durch Corona einen bleibenden Schaden erlitten hat. Da beziehe ich aber alle Menschen ein, die dem Verein verbunden sind. Ich merke selbst wie anstrengend diese Phase in unserem Leben ist.

Von einem sehr guten Jahr würde ich sprechen, wenn Daniel Fröhlich nächste Saison keinen Kreispokal mehr spielen müsste;-)

 

Vielen Dank für das Interview!

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