"Jule" Schmidt – ein treuer Verler

"Jule" Schmidt – ein treuer Verler

07.02.2018

Der Kapitän hat für ein Jahr seinen Vertrag verlängert

Vereinstreue im Fußball ist heutzutage ein rares Gut. In Zeiten, in denen scheinbar allein der Mammon und der persönliche Vorteil regieren, ist ein zufriedener Spieler, der das Gebotene zu schätzen weiß, leider eine Seltenheit. Doch mit Mannschaftskapitän Julian Schmidt hat der SC Verl einen solchen Mann in seinen Reihen. Kein Wunder also, dass „Jule“ nicht nur in der Mannschaft, sondern auch bei Fans und Umfeld hohe Sympathiewerte genießt und zu einer Identifikationsfigur, einem Gesicht des SC Verl geworden ist.

Wie selten solche Vereinstreue ist, belegen ein paar Zahlen: Mit 270 Partien, die Schmidt in der Regionalliga West bestritten hat, liegt er auf Platz zwei der ewigen Rangliste. Mit Thomas Kraus, derzeit bei der U23 der Mönchengladbacher Fohlen im Kader, hat der auf Platz eins gelistete zwar 292 Partien in dieser Klasse bestritten, aber für fünf Vereine. „Jule“ stand 270 Mal für den SPORTCLUB in Meisterschaftsspielen auf dem Platz. Dazu kommen noch 25 Pokalpartien.

Dabei liegt es nicht allein nur am Spieler, auch ein Verein muss das passende Drumherum bieten – was in Verl offenbar zu finden ist. Denn mit Marco Kaminski, der seinerzeit mit „Jule“ aus Ahlen an die Poststraße wechselte und auf 262 Partien in der RL West kommt, sowie Fabian Großeschallau, der seit Juli 2009 259 Ligaspiele absolvierte, hat der SPORTCLUB in der ewigen Rangliste der Regionalliga West noch zwei Spieler, die da nicht nur die Plätze vier und fünf belegen, sondern die Spiele alle für einen Club bestritten. Der Ranglistendritte und jetzige Wiedenbrücker Oliver Zech (265 Spiele) trat für gleich vier Vereine in der RL West an.

Karriere begann in Münster

Zurück zu Julian Schmidt: Die Karriere des am 11. März 1986 in Münster geborenen Julian startete einst auch in der Universitätsstadt. In der A-Jugend schnürte er für den Nachwuchs von Preußen Münster die Fußballschuhe. Der Traditionsverein, Gründungsmitglied der Bundesliga 1963, war mit seiner 1. Mannschaft Anfang des Jahrtausends in der Regionalliga Nord angesiedelt. Schmidt wechselte dann zur U19 von RW Ahlen. Der Verein kämpfte damals unter dem Namen LR Ahlen regelmäßig mit der 1. Mannschaft um den Verbleib in der 2. Liga, stieg dann aber doch in die Regionalliga ab.

Ab dem 1. Juli 2008 trug Julian Schmidt dann das schwarz-weiße Trikot des SC Verl. Trainer war damals Mario Ermisch, heute bei VfB Fichte Bielefeld an der Seitenlinie. Ihm folgte in der Saison 2009/10 bis Saisonende 12/13 der heutige Vorsitzende Raimund Bertels auf dem Trainerstuhl. Unter Bertels reifte „Jule“ zum Stammspieler, damals noch als rechter Verteidiger in der Viererkette. Erst vor etwa fünf Jahren rückte er auf die Innenverteidigerposition.

Ausbaufähig: zwei Tore in 270 Spielen

Auch unter Andreas Golombek, der im Sommer 2013 das Traineramt im SPORTCLUB übernahm, blieb Schmidt unverzichtbar auf seiner Position. Seit drei Jahren bekleidet er zudem das Kapitänsamt im Team. Und auch Guerino Capretti, seit April 2017 Trainer, weiß, dass er sich auf den erfahrenen Abwehrrecken verlassen kann. Das einzige, was „Jule“ selbst noch etwas wurmt, ist die Trefferquote: Zwei Tore in 270 Partien sind ausbaufähig.

Vor zwei Jahren ist Schmidt mit seiner Familie nach Verl gezogen. Nur wenige Minuten entfernt vom Stadion hat die Familie ein Zuhause gefunden. So fährt er fast immer mit dem Fahrrad zum Training. Ende des vergangenen Jahres kam dann nach zwei Töchtern, vier und zwei Jahre alt, mit Laurenz auch der Stammhalter zur Welt. Auch beruflich ist er längst in Verl angekommen. Nach seinem erfolgreichen BWL-Studium an der FH Bielefeld fand er eine Anstellung beim Verler Unternehmen Beckhoff Automation.

"Einmaliger Fußballer und Mensch"

So dürfte es seitens des Vereins sicher nicht viel Überzeugungsarbeit gekostet haben, Schmidt für ein weiteres Jahr bis Sommer 2019 an den SPORTCLUB zu binden. „Wir freuen uns sehr und sind stolz, dass wir diesen einmaligen Fußballer und Menschen für ein weiteres Jahr an uns binden konnte“, sagte Raimund Bertels ­– und dürfte damit auch den Fans aus dem Herzen gesprochen haben.