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Spannende Einblicke in die Position des Torhüters

Fynn Müller und Marvin Fenske gaben Einblicke in ihre tägliche Arbeit

Artikel vom 20. März 2026

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    Bei untergehender Sonne begrüßte unser Stadionsprecher Thorsten Nöthling die knapp 50 Gäste im “1924” zum vierten Teil unseres Impulsforum. Am frühen Mittwochabend stand eine der wohl spannendsten Positionen im Fußball auf dem Programm – der Torhüter. Mit unserem Profi-Torwart-Trainer Fynn Müller sowie dem Torwartkoordinator des SC Paderborn, Marvin Fenske, waren gleich zwei Experten als Redner vor Ort. 
     
    Müller begann im ersten Block mit einem Einblick in eine typische Trainingswoche hier beim Sportclub Verl. Die Inhalte und Verteilung auf die Tage ist dabei immer dieselbe, orientiert sich aber jede Woche neu am Tag des Spiels. So sind die Trainings für unsere drei Keeper (Philipp Schulze, Fabian Pekruhl und Marlon Zacharias) unterteilt in Matchday -4 bis Matchday -1 sowie Matchday +1 und +2. Zum Start der Woche (MD-4) gibt es immer nur Übungen zum Reinkommen, um die Hände erstmal wieder an den Ball zu bekommen. An Matchday -3 und -2 geht es dann schon darum, so spielnah wie möglich das 1-gegen-1 und die Raumverteidigung zu trainieren. Das Abschlusstraining (MD-1) ist laut Müller dann immer gleich, “passt sich aber immer dem jeweiligen Torwart an. Jeder Keeper holt sich auf seine eigene Art und Weise Selbstbewusstsein vor dem Spiel.” 
     
    Neben der Arbeit auf dem Platz ist aber auch die Videoanalyse ein wichtiges Thema im Profibereich. So unterteilt unser Torwart-Trainer seine Analyse in die Gegnervorbereitung, die Spielnachbereitung sowie die Trainingsanalyse. Spannend ist hier, dass Müller und Schulze einen festen Ablauf haben, was die Gegnervorbereitung angeht: Jede Woche treffen sich die beiden 24 Stunden vor Anpfiff und besprechen in zehn bis 15 Minuten, wer oder was vom jeweiligen Gegner auf sie zukommt. Ein besonderes Augenmerk liegt bei unserem Sportclub aber auch auf der spielerischen Qualität des Torwarts, diese holt sich Philipp Schulze aber primär im Mannschaftstraining von Coach Tobi Strobl, um auch das so spielnah wie möglich zu üben. 
     
    Den ersten Block schloss Müller mit einem Beispiel aus der Premier League ab: Edouard Mendy, seiner Zeit Champions League Sieger mit dem FC Chelsea, war auf einem Video durchgehend “online” zu beobachten und nahm immer aktiv am Spiel teil – eins der Prinzipien, die Marvin Fenske beim SC Paderborn versucht seinen Nachwuchskeepern zu vermitteln. Hinzu kommen Begriffe wie “gewinnbringendes Coaching”, “1-gegen-1-Druck", “mutig im Raum”, “Spielaufbau” und “Neutralität”. Zentral wird beim SCP dann mit einer Bewertungsskala gearbeitet, bei der sowohl interne als auch mögliche externe Neuzugänge von 0 (unter SCP-Niveau) bis 10 (bester Torwart im Jahrgang) in den oben genannten Bereichen bewertet werden. Zudem werden mit eigenen Vergleichswerten auch die Physis und Athletik bewertet, sowie darauf geachtet wird, wie sich die Persönlichkeit der Torhüter abseits des Rasens verhält. 
     
    Für den optimalen Aufbau der jungen Keeper gibt es bei Paderborn bis zur U12 ein Mal pro Woche Torwart-Training, bis zur U14 zwei Mal und ab der U15 vier Mal. Das zieht sich bis in den Herrenbereich durch, wo es dann mit der Zeit immer mehr um Fine-Tuning und die Vorbereitung auf die Performance am Spieltag geht. Um das langfristige Ziel, eine Nummer eins bei den Profis aus der eigenen Jugend, zu erreichen, gibt es für die Top-Talente aus U17-U21 derweil extra Athletik-Training.
     
    Zum Ende hin, auch in Verbindung mit Fragen aus dem Publikum, rückte dann nochmal das Thema Kommunikation in den Vordergrund. So wird beim Sportclub in der Jugend die Spielzeit unter den Torhütern fair verteilt, was auch die Kommunikation vereinfacht. Bei Paderborn hingegen gibt es in der U19 und U17 laut Fenske eine klare Nummer 1, was es den anderen natürlich erschwert an Spielzeit zu kommen. “Das Wichtigste ist dann eine ehrliche Kommunikation vor und während jeder Saison. Das bedeutet auch, dass ich manchen Keepern nahelege, vielleicht den Verein zu wechseln und Spielzeit zu sammeln”, schloss Fenske seinen Vortrag.