Ärgerlicher 1:1-Ausgleich in der letzten Minute

Ärgerlicher 1:1-Ausgleich in der letzten Minute

Die Erste 30.09.2017

SPORTCLUB muss zwei Punkte bei RWE in Essen lassen

„Wenn man unzufrieden ist über ein 1:1 hier bei Rot-Weiss Essen, dann sagt das wohl alles aus“, kommentierte der enttäuschte Mannschaftsführer des SPORTCLUBs, Julian Schmidt, nach der Partie. Denn die erste Hälfte beherrschte ganz klar der Gast aus Westfalen, und auch in der zweiten ließ der SC Verl die Essener nicht zum Zug kommen. Dass den Rot-Weissen dennoch in der 90. Minute der Ausgleich gelang, war sehr glücklich. „Bei denen geht der Ball an den Innenpfosten und rein, bei uns springt sowas immer raus“, meinte Gianluca Marzullo, Torschütze zur Verler Führung. 

„Eigentlich müssen wir uns bei allen Fans entschuldigen“, war Essens Trainer Sven Demandt nach der Partie sichtlich angefressen über die Leistung seiner Mannschaft. Insbesondere vor der Pause sei sie viel zu ängstlich aufgetreten. Da hatte spätestens nach zehn Minuten der SPORTCLUB das Geschehen vor 9.677 Zuschauern absolut im Griff. „Da haben wir richtig gut gespielt, prima umgesetzt, was wir im Training erarbeitet haben“, lobte auch Verls Trainer Guerino Capretti, legte allerdings auch den Finger in die altbekannte Wunde: „Hier und da fehlte der Abschluss, der Zug zum Tor.“ 

So hatten die beiden Essener Innenverteidiger Philipp Zeiger und Timo Becker alle Hände voll zu tun, um die immer wieder anlaufenden Verler rechtzeitig zu bremsen. Hohe Bälle durch Flanken von Patrick Choroba oder Bastian Müller köpfte meist Zeiger aus der Gefahrenzone, bei flachen Hereingaben war durch die vielbeinige Abwehr so gut wie kein Durchkommen. Und die Distanzschüsse, die der SC Verl auf dem nassen Rasen ruhig hätte öfter riskieren sollen, strichen – wie der von Müller – knapp am Pfosten vorbei oder – wie der von Viktor Maier – übers Gebälk. 

Auf der Gegenseite verlebte Robin Brüseke eine relativ entspannte erste Hälfte. Einmal musste er bei einer hohen Flanke nachfassen, ansonsten drohte seinem Gehäuse kaum Gefahr. So gingen die Teams mit 0:0 in die Pause. 

Nach dem Wechsel ging es einen Moment hin und her, allerdings mit klarem Chancenplus für die Gäste. Zunächst scheiterte Maier mit einem Schlenzer aus 18 Metern Richtung Winkel an Essens Schlussmann Robin Heller. Kurz darauf fand Maiers Flanke in den Strafraum der Rot-Weissen keinen Abnehmer. Zwei Minuten später hatte der Verler Anhang – gut und gerne 50 Fans waren aus dem Westfälischen angereist – den Jubel bereits auf den Lippen: Maier spielte einen cleveren Ball auf den linken Flügel, wo sich Cinar Sansar durchsetzte und in Höhe des Fünfmeterraums den Ball scharf nach innen flankte; doch bevor Jan Lukas Liehr die gute Vorarbeit verwerten konnte, bekam gerade noch ein Essener Verteidiger die Fußspitze an den Ball. 

Von der anderen Seite klappte es dann endlich. Müller hatte Choroba auf dem Flügel in Szene gesetzt, der flankte prima scharf quer durch den Fünfer. Am langen Eck lauerte Marzullo, der nur noch den Fuß hinhalten musste, um den Ball über die Linie zu jagen (58.). Liehr hätte nur zwei Minuten später fast den Deckel „drauf gemacht“, allerdings fehlte ihm nach dem Konter, den er mit Maier vorgetragen hatte, die Kraft zu einem vernünftigen Abschluss. 

Demandt reagierte mit einem Doppelwechsel, der SC Verl zog sich etwas zurück und empfing die wütend, aber nicht sonderlich kreativ anrennenden Essener erst in der eigenen Hälfte. Während sich Essen festrannte, blieb der SPORTCLUB durch Konter brandgefährlich. Schließlich brachte Demandt noch Hervenogi Unzola, der in der Vorsaison noch im schwarz-weißen Dress der Verler auflief. Der lieferte sich ein paar heiße Zweikämpfe mit Choroba, doch für Gefahr vermochte auch er nicht zu sorgen. 

Schließlich bekam Essen einen Freistoß halbrechts in der Verler Hälfte. Benjamin Baier flankte an den langen Pfosten, eine Spielertraube stieg hoch, Robin Urban köpfte, traf den Rücken eines Verlers, es war wohl Patrick Kurzen, von dem der Ball an den Innenpfosten und dann ins Tor der Verler sprang – unhaltbar für Brüseke. 

„Das war wirklich viel Pech“, konnte Capretti nachvollziehen, dass seine Spieler mit enttäuschten Mienen in der Kabine saßen. „Klar ist das bitter, aber wir sind auf einem guten Weg.“ „Wir haben eine super englische Woche gespielt und sieben Punkte geholt“, meinte auch Marzullo, „wir können zufrieden sein.“ Einziger Wehmutstropfen: Jannik Schröder musste in der 82. Minute mit einer Knieverletzung vom Platz geführt werden. „Jannik befürchtet, dass da was gerissen ist“, gab Capretti einen ersten Eindruck. Ob er kommenden Freitag, wenn Wegberg-Beeck um 19:15 Uhr an der Poststraße aufläuft, dabei sein kann, scheint mehr als unwahrscheinlich. 

RW Essen: Heller – Urban, Becker, Zeiger, Grund (77. Unzola) – Lucas (62. Jansen) – Brauer, Pröger, Baier, Bednarski (62. Harenbrock) – Platzek. Trainer: Sven Demandt

SC Verl: Brüseke – Choroba, J. Schmidt, Stöckner, Sansar – B. Müler, J. Schröder (83. Kurt) – Liehr, Maier (75. Mikic), Muhovic – Marzullo (68. Kurzen)

Tore: 0:1 Marzullo (58.), 1:1 Urban (90.) 

Gelbe Karten: Urban – J. Schröder, J. Schmidt 

Beste Spieler: Zeiger, Urban – Sansar, B. Müller

Rot-Weiss Essen

1 : 1

SC Verl

Samstag, 30. September 2017 · 14:00 Uhr

Regionalliga West · 11. Spieltag

Schiedsrichter: Tim Pelzer Zuschauer: 9677

Startaufstellung